Pressemeldungen

Buchbranche vor einer dramatischen „Redimensionierung“?

Mit der Zukunft der Buchbranche haben sich die beiden Branchenberater Arnd Roszinsky-Terjung (BUCHCONSULT) und Dr. Andreas Meyer (VERLAGSCONSULT) im aktuellen Heft der Zeitschrift BuchMarkt (Ausgabe Januar 2010, S. 28 bis 40) auseinandergesetzt. Sie warnen vor einer dramatischen „Redimensionierung“ der Branche, wenn es nicht gelingt, Bücher so aufzubereiten, daß sie einen aus Sicht der Leser attraktiven Mehrwert gegenüber elektronischen Medien besitzen. Im Bereich der „funktionalen“ Literatur – also solcher Titel, in denen man schnell und übersichtlich eine einzelne Information finden möchte, seien Bücher gegenüber elektronischen Medien ohnehin im Nachteil. Dies wird überdeutlich am Beispiel der Navigationsgeräte, die in wenigen Jahren die klassische Orientierung per Karte oder Atlas völlig an den Rand gedrängt haben. Funktionale Literaturin Printform („Ratgeber“) brauche eine neue inhaltliche und optische Qualität, wenn sie weiterhin Käufer finden wolle.

Andererseits, so die beiden Branchenexperten, sei die Auseinandersetzung mit fiktionaler Literatur – ob nun elektronisch oder als Printprodukt – in ihrer intellektuellen und emotionalen Wirkung unübertroffen. Aber es falle immer mehr Lesern schwer, einen umfangreichen Text konsequent zu lesen, weil die moderne Kommunikation per Email, Twitter, SMS etc. immer stärker auf das „Nebenher Lesen“ fixiere. Geistiges Multitasking, so zeigen neuere Untersuchungen, stärkt jedoch keinesweg die Fähigkeit zum schnellen Umschalten, sondern führt zu mittelmäßiger Konzentration und mittelmäßigem Lernerfolg.

„Entschleunigung des Lesens“ sei dazu die passende Therapie. Die eigentliche Gefahr für die Buchindustrie, so das Fazit der Analyse, sei nicht die Substitution von Printprodukten durch elektronische Produkte, sondern die Konditionierung des Leseverhaltens durch elektronische Produkte und Internet-Angebote.

Den kompletten Text finden Interessenten auch als PDF auf der Website www.buchconsult.de.

Twitterlesung in Berlin

Die Microblogging-Plattform Twitter.com, eine Mischung aus SMS, Chat und Blog mit einer Begrenzung von 140 Zeichen je Beitrag, begeistert die Internet-Avantgarde von San Francisco bis Tokyo, sogar Barack Obama twittert angeblich selbst. Jetzt findet in Berlin die eventuell weltweit allererste Twitterlesung statt, bei der die besten deutschsprachigen 140-Zeichen-Werke verlesen werden. Stargast ist Bachmannpreisträger Tilman Rammstedt.

Die Twitterlesung findet am Samstag, 26. Juli um 20.00 Uhr in Berlin im NBI (Schönhauser Allee 36) statt. Die Veranstaltung wird vom Twitter-Literaturblog twitkrit.de und Autor Sascha Lobo organisiert. Twitterlaien müssen sich das Event wie eine Lesung der besten SMS vorstellen – durch die Veröffentlichung im Netz entsteht aber der Druck, unterhaltsam zu schreiben. “Ein vielstimmiger Strom aus Alltagskommentaren, Wortspielen, Mikrodialogen, Aphorismen und Quatsch im besten Sinne, wie ihn nur das famose Internet hervorzubringen vermag”, erklären die Mitveranstalter @mspro (MichaelSeemann) und @bosch (André Krüger) – das @ zeigt bei Twitter einen Nutzernamen an.

“Aus tausenden Twitterbeiträgen haben wir die witzigsten, merkwürdigsten und bescheuertsten, kurz: die interessantesten herausgesucht”, beschreibt @pickiHH (Martina Pickhardt) von twitkrit.de die Vorbereitung. Die Twitterlesung ( http://twitterlesung.de ) wird in thematische Rubriken wie “Leben”, “Getränke” und “Diverses” aufgeteilt, zu denen 30 bis 50 Twitterbeiträge vorgetragen werden. Vier der besten Twitterautoren werden eigene Werke lesen: @codepolizei (Harm Lübben), @kaltmamsell, @frank93 (Frank Lachmann) und @sillium. Der grimmeprämierte Videoblogger @sixtus (Mario Sixtus) wird seine Onlineschimpftiraden mit @saschalobo darbieten.

Gaststar ist der Gewinner des diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preises, Tilman Rammstedt, der mit seiner schnellen, pointensicheren Vortragsart für furoreähnliche Situationen sorgte. Die Moderation hat mit @spreeblick (Johnny Haeusler) einer der bekanntesten Blogger Deutschlands übernommen. Das Videoportal hobnox.com wird die Lesung live ins Internet streamen. (Quelle: Pressemeldung)

Das literarische Archiv von Elisabeth Borchers

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat das literarische Archiv der Schriftstellerin, Übersetzerin und Lektorin Elisabeth Borchers erworben. Das rund 50 Marbacher Kästen umfassende Archiv enthält – neben Gedichtmanuskripten, Manuskripten zu Aufsätzen und Reden  – vor allem die Korrespondenz der in Homberg am Niederrhein geborenen Schriftstellerin. Zu ihren Briefpartnern zählen unter anderen Johannes Bobrowski, Heinrich Böll, Hilde Domin, Wolfgang Hildesheimer, Ernst Jandl, Marieluise Kaschnitz, Karl Krolow, Helga M. Novak, Ruth Rehmann, Robert Wolfgang Schnell und Gabriele Wohmann. Aus der Sammlung der Schreiben an Elisabeth Borchers ragen die 58 Briefe der Schriftstellerin Nelly Sachs (1891-1970) heraus, die Borchers in den Jahren zwischen 1957 und 1967 erhielt. Die sehr persönlichen und freundschaftlichen Briefe zeigen das enge Verhältnis der beiden Frauen, ebenso wie die wichtige Rolle die Elisabeth Borchers bei der Durchsetzung von Nelly Sachs in Deutschland gespielt hat.

Borchers arbeitete von 1945 bis 1954 als Dolmetscherin bei der französischen Besatzungsmacht und war von 1958 bis 1960 bei Inge Aicher-Scholl an der Volkshochschule in Ulm tätig. Von 1960 bis 1971 wirkte sie als Lektorin im Luchterhand-Verlag mit, von 1971 bis 1998 hatte sie diese Funktion beim Suhrkamp- und Insel-Verlag inne. Bekannt wurde sie vor allem als Lyrikerin und Erzählerin, Funk- und Kinderbuchautorin sowie als Herausgeberin zahlreicher Anthologien und Übersetzerin aus dem Französischen und Russischen. Ihr literarisches Archiv wird nun in Marbach sachgerecht erschlossen und für wissenschaftliche oder literarisch interessierte Benutzer zugänglich gemacht. (Quelle: Pressemitteilung DLM)

Kleistpreisträger Dirk von Petersdorff Gastpoet an der Universität Augsburg

“Wohin mit diesem halbgefüllten Leben?” Unter diesem Titel steht ein doppelter Auftritt des Lyrikers und Kleistpreisträgers Dirk von Petersdorff am 29. November 2007 in der Reihe “Gastpoeten an der Universität Augsburg”. Ab 19.30 Uhr liest von Petersdorff aus seinen Werken. Diese Veranstaltung ist öffentlich. Bereits am Nachmittag leitet er einen Workshop, der Studentinnen und Studenten vorbehalten ist. Zur Pressemeldung

Uwe Dick erhält Jean-Paul-Preis 2007

Den Jean-Paul-Preis 2007 des Freistaates Bayern erhält der Schriftsteller Uwe Dick für sein Gesamtwerk. Wie Kunstminister Thomas Goppel am Donnerstag in München erklärte, werde mit Dick einer der sprachgewaltigsten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ausgezeichnet. “Dick ist ein eigenwilliger, querstehender Schriftsteller, ein Solitär”, so der Minister. Mit der Vergabe des Jean-Paul-Preises an Uwe Dick werde ein Autor ausgezeichnet, der in vielerlei Hinsicht mit dem Namensgeber des Bayerischen Literaturpreises verbunden ist.

Uwe Dick, geboren 1942 in Schongau am Lech, entschied sich 1968 nach verschiedenen beruflichen Tätigkeiten, unter anderem als Redakteur bei einer Münchner Tageszeitung, für eine Existenz als freier Schriftsteller, “um frei zu sein für ein niemals vertagtes Leben”. Diese Unabhängigkeit hat sich Uwe Dick mit großer Konsequenz bewahrt. Seit 1993 lebt Uwe Dick im Bayerischen Wald, fernab vom Literaturbetrieb. Seine Reisen, bevorzugt durch den Balkan, die britischen Inseln, nach Sizilien, unternimmt er zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Jahrelang hat der Schriftsteller mit seinem poetisch-satirischen Einmann-Theater Turnhallen und Theatersäle, Kabarettbühnen und Wirtshäuser gefüllt.

Dicks Texte sind ein leidenschaftliches Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit der Natur, ein Aufruf gegen Bequemlichkeit, Dumpfheit und die Verwahrlosung der Sprache. Ganz unaufdringlich lässt Dick in seinem Werk, so heißt es in der Juryentscheidung, einen “weltliterarischen Echoraum” entstehen. Der Beziehungs- und Anspielungsreichtum seiner Texte erfordere einen hellwachen Hörer und konzentrierten Leser. Auf höchst schöpferische, virtuose Weise gehe Dick mit dem Sprachmaterial um. Überbordende Sprachartistik, überraschende Wortspiele und Assoziationsketten, Satire und Witz prägten, so die Jury, seine Prosa. Sein Hauptwerk “Sauwaldprosa” wurde im Laufe der Jahre mit wachsendem Umfang immer wieder neu aufgelegt. Wie Baumringe seien hier, so heißt es in der Juryentscheidung, verschiedene Schichten übereinander gelegt. Die Jury würdigte Uwe Dick ausdrücklich auch als Performancekünstler. Viele seiner szenischen Lesungen liegen auch als Hörbücher vor, unter so sprechenden Titeln wie “Der Öd – das Bio-Drama eines Amok denkenden Monsters oder: Wechselfiebrige Anfälle von Weisheit, Torheit und Faschismus” (1980), “Cantus firmus für Solisten mit Pferdefuß – ein panakustisches Optikum u. a. für Hundskopfstimme, Reporterin, Lachmöwe, Saxophon, Kontrabass, Religion und Weißes Rauschen” (1988) oder “Der Jäger vom Knall – Hundsoktaven zu einer Sexualpathologie zwergdeutscher Flintenmänner” (1995). Eine Gesamtausgabe der Gedichte, bestehend aus sieben Bänden, ist unter dem Titel “Des Blickes Tagnacht – Gedichte 1969–2001″ 2003 erschienen.

Uwe Dick wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Kunstförderpreis des Freistaates Bayern (1972), mit dem Marieluise-Fleißer-Preis der Stadt Ingolstadt (1986) und mit dem Tukan Preis (1987, 1992 für “Pochwasser”).

Die Preisverleihung wird am Sonntag, 2. Dezember von 11.00 – 13.00 Uhr im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz stattfinden. Als Laudator konnte der Schriftsteller Michael Lentz gewonnen werden. Der mit 15.000 Euro dotierte Jean-Paul-Preis wird in diesem Jahr zum 13. Mal verliehen. Unter den bisherigen Preisträgern waren Friedrich Dürrenmatt, Botho Strauß, Hermann Lenz, Günter de Bruyn, Gerhard Polt und Sarah Kirsch.

Für Nachtforscher und Tagträumer

Bibliotheken sind die am stärksten genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen in Deutschland. Jeden Tag kommen 670.000 Besucher in eine Bibliothek. Der „Tag der Bibliotheken“ am 24. Oktober lenkt alljährlich die Aufmerksamkeit auf die rund 11.500 Bibliotheken und macht auf ihr umfangreiches Angebot neugierig.
In ganz Deutschland laden Bibliotheken zu vielfältigen Veranstaltungen ein: vom Aktionstag in Bayern unter dem Motto „Für Nachtforscher und Tagträumer“, über Veranstaltungen in Baden-Württemberg unter dem gemeinsamen Motto „Bibliotheken öffnen Welten“, der zweiten Nacht der Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen unter dem Motto „Bibliotheken sind mordsspannend“, dem Start der Imagekampagne „Bilde Deine Zukunft“ in Brandenburg bis hin zu vielen Einzelveranstaltungen. Auch die brandgeschädigte Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar wird am 24.10., dem Geburtstag der Namenspatronin, durch Bundespräsident Horst Köhler glanzvoll wiedereröffnet.
An diesem Tag verleiht auch der Deutsche Bibliotheksverband mit Unterstützung der ZEIT Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius nun schon zum achten Mal die Auszeichnung „Bibliothek des Jahres“, die in diesem Jahr an die Gefangenenbücherei der Justizvollzugsanstalt Münster geht. Sie erhält den mit 30.000 Euro ausgestatteten einzigen nationalen Bibliothekspreis.
Ebenfalls am 24. Oktober vergibt die Deutsche Literaturkonferenz die Karl-Preusker-Medaille für besonderes Engagement für öffentliche Bibliotheken. In diesem Jahr erhält die Auszeichnung Georg P. Salzmann in Würdigung seiner Leistungen beim Aufbau der weltweit wohl einmaligen „Bibliothek der verbrannten Bücher“.
Tag der Bibliotheken
Der Tag der Bibliotheken am 24. Oktober findet in diesem Jahr bereits zum 12. Mal statt. Er wurde 1995 unter der Schirmherrschaft Richard von Weizsäckers ausgerufen. Er erinnert an die von Karl Benjamin Preusker (1786-1871) am 24. Oktober 1828 in Großenhain (Sachsen) eingerichtete Schulbibliothek für Lehrer und Schüler, die 1832 nach Preuskers Plan zur ersten deutschen Bürgerbibliothek (Stadtbibliothek) erweitert wurde, die unentgeltlich von allen Bürgern benutzt werden konnte. Weitere Informationen und eine kleine Auswahl der bundesweit stattfindenden Veranstaltungen.

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BildungsWiki zur Weltliteratur

Zwei weitere Wikis unterschiedlicher Ausrichtung sind am 15. Juni 2007 beim Deutschen Bildungsserver frei geschaltet worden: Die Wiki-Infobörse  und das BildungsWiki Weltliteratur . Über die Wiki-Infobörse, können Nutzer einen Fundus bereits vorhandener Informationen ergänzen, differenzieren und kommentieren und so ihr Expertenwissen zu einzelnen Themengebieten austauschen. Das gemeinsam mit dem Hamburger Bildungsserver erarbeitete Weltliteratur-Wiki ist eine umfangreiche Materialsammlung zum Thema Weltliteratur, die sich an (Deutsch-) Lehrer, Schüler und Literaturinteressierte richtet.

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