Klick

Ich klicke unter freiem Himmel

Ich klicke unter freiem Himmel die
Verschämten Blicke auf Bauchnabelpiercings

Das bin doch ich ist auch heute mehr als
Ein Buchtitel im Schaufenster der Eitelkeiten

Anmachsprüche zum Weghören Hingucken
Das sind normale Jungs die da rechts abblitzen

Schluck den Kaugummi nicht runter
Der verklebt den Magen, mahnt Mama-Mamarazzi

Es geht um Anerkennung und Abgrenzung
Sorge und Sehnsucht gemeinsamen

Wurzeln und eigene Wege Wir wandern
Mit offenen Sinnen Ich klicke Hunde

Die die Lunte riechen Den Buchfink
packe ich in eine zizizizjazjazoritiu-zip Datei

Das Baby macht ein Bäuerchen vom Brei
Ich luchse allein weiter in den Wald hinein

(tagsüber, 5.05.2008)

Ich klicke Papphocker

 

Die Leute kommen

Herein, es ist genug Platz,

Aber die Papphocker

Sind schon besetzt.

 

Ausverkauft beim Händler.

Kleine Geschenke

Erhalten die Freundschaft

Ich erklicke mir Aufmerksamkeit

 

Die Vase ist ohne Blumen

Es liegt noch

Kein Frühling in der Luft

Aber wer weiß, wie sich der Tag

 

Entwickeln wird.

Jeder hat Fotos mitgebracht

Und erzählt von Erinnerungen

Die verbinden. Auch ich

 

Schnüre ein Päckchen auf.

Ein Leben auf 746 Seiten

Ediths Tagebuch bleibt nach dem

Frühstück auf dem Küchentisch liegen.

 

(Dienstag, 05. 02. 2008, beim Frühstück, ca. 10 Uhr)

Ich klicke Die Deutschen

 

Die Deutschen schlafen

Weniger denn je

Auch die Tiere sind unruhig

 

Der illustrierte Mann geistert

Ziellos im Brachgelände umher

Und erzählt seine Geschichten

 

Schlaflose suchen nach Tattoos

Ein Wasserhahn tröpfelt

Ich klicke Börsencrash

 

Und Chuck Berrys Maybelline

Die Nacht der großen Momente

Liege sechs Stunden im Sarg

 

Von Gläubigern gebissen

Das Leben kann ein Alptraum sein

Panikattacken sind kein Witz

 

Trotz Protesten wird weiter gerodet

Autounfälle durch Sekundenschlaf

Nehmen schlagartig zu. Wracks

 

Liegen vor Kaufhauseingängen

Ich kümmere mich um Muskeltraining

Warte auf ein Wunder, auf Kaffee

 

Der schützt vor Darm – und Leberkrebs

Und hält bekanntlich wach

Rote Lämpchen blinken

 

In der Ruhe liegt die Kraft

Mit einem Gefühl der Unzugehörigkeit

Schalte ich den Monitor aus

 

(Montag, 28.01. 2008 um  ca. 7 Uhr/ überarbeitet zwischen 19 Uhr und 19 Uhr 40)

Ich klicke Hannover

Ich klicke
Hannover und stehe
Im Supermarkt vor dem
Bio-Sortiment, das wöchentlich
mehr Verkaufsfläche einnimmt
Die Leute strömen
Wie Spam-Mails
Ein Mozart Requiem
Vom Jungen Vokalensemble
Weht in die Welt
Studenten demonstrieren
Gegen Studiengebühren
Die 1. Panzerdivision wird
Abkommandiert nach Afghanistan
Es arbeitet in den Köpfen
Die Schmerzen sind betäubt
Ich zahle mit Kreditkarte
Ich klicke
Das Lampenfieber nimmt
Im Alter zu Schau-
Spieler Tom Cruise
tritt auf
Wie Goebbels
Es ist nur ein Job
Der keinen Spaß macht
Ich halte mich
Gern in alten Räumen auf
Sagt ein anderer Schauspieler
Wieder auf freiem Fuss
Ich klicke
Verjüngungskur
Wie alt schätzt du
Antonia Rados fragt Johannes B.
Der sich seinen Lebenstraum
Längst erfüllt hat
Was guckst du?!
Schau nach vorn und zurück
Ich klicke Kalenderblatt
Mittel gegen Impotenz
Vier Pillen umsonst
Magical Defrag
Too much future
Ich klicke 1979
Die Risiken im Schnee
Werden nicht ernst genommen
ein Blutgerinnsel im Gehirn als Spätfolge
eines Sturzes Ich klicke
Gebrochene Herzensbrecher
Und Prothesengott
Mit Gewalt kommt man
Nicht weiter

(Samstag, 26. 01. 2008 um 13 Uhr)

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