Autoren

Dirk von Petersdorff zum neuen Germanistik-Professor der Universität Jena ernannt.

“Lehrerausbildung ist unser Kerngeschäft”, sagt Prof. Dr. Dirk von Petersdorff. Der frisch ernannte Lehrstuhlinhaber für Neuere deutsche Literatur der Universität Jena beschreibt damit nicht nur die eigene “starke Affinität zur Schule”. Der 42-jährige Neu-Jenaer macht dadurch auch deutlich, dass Geisteswissenschaften für ihn zu einer Profession führen. “Literaturwissenschaft sollte man nie aus der Lebenspraxis herauslösen”, erläutert von Petersdorff sein Credo, das er auch den Studierenden aller Studiengänge in Jena vermitteln möchte.

Dabei kann der gebürtige Kieler auf ein beliebtes Thema zurückgreifen: die Romantik. Novalis und Friedrich Schlegel sind es u. a., die ihn faszinieren. Dabei ist die Literatur der Frühromantiker, über deren ‘Mysterienreden’ er 1995 in Kiel promoviert wurde, “stärker an die Realität angebunden, als man es auf den ersten Blick sieht” – trotz aller Fantastik und Träumerei. Auch wenn sich die Frühromantiker als verkannte Avantgarde betrachteten, so schätzt Prof. von Petersdorff an ihnen die “Anbindung an die Lebenspraxis” und ihre ironische Einstellung. “Ironie ist eine Haltung zum Leben”, sagt von Petersdorff und spricht dabei auch von sich. Mit Ironie könne man sich selbst zweifelnd, spielerisch, heiter absetzen – dies verwendet der sportliche Germanist auch gerne in eigenen Gedichten. Seit dem Lehramtsstudium in Kiel schreibt er Lyrik und hat mehrere Bände  im S. Fischer Verlag

veröffentlicht. So lag es nicht fern, seine schriftstellerischen Fertigkeiten an junge Menschen weiterzugeben. Bereits in Kiel und nun auch in Jena bietet von Petersdorff Kurse in “Creative Writing” an.

Wissenschaftlich hat er die lyrische Ader in seiner Habilitation verarbeitet, die er dank eines Stipendiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft bereits 2003 in Saarbrücken beenden konnte. Darin beschäftigte er sich mit Modellen lyrischer Identitätsbildung im Kontext der Modernisierung. Am Beispiel von Brecht, Benn, George und anderen zeigt er, wie die Dichter in ihrem lyrischen Werk mit der eigenen Identität und ihren Brüchen umgehen.

Lyrik wird auch in Jena ein bestimmendes Thema des neuen Germanisten bleiben. Daneben ist es die Gegenwart, die den verheirateten Vater dreier Kinder fasziniert – in Literatur wie Film und Musik. Derzeit arbeitet er an einer Literaturgeschichte der Bundesrepublik und einer kommentierten Anthologie mit ironischen Texten von der Romantik bis zur Gegenwart. Dabei ist es für den engagierten Wissenschaftler keine Ironie des Schicksals, dass er nun im Zentrum der deutschen Romantik selber tätig ist. “Es war eine Herzensentscheidung für den Ort und die Universität”, sagt Dirk von Petersdorff auf die Frage, warum er sich für Jena statt Bochum, an dessen Uni er parallel einen Ruf hatte, entschieden hat. Zudem seien hier die Traditionen lebendiger, die Atmosphäre faszinierender, sagt er und fügt hinzu: “Außerdem gibt es hier die besseren Betreuungsrelationen” – ganz ohne Ironie, sondern auf Grund der Erfahrungen an vielen anderen Orten, an denen er gelehrt und geforscht hat.

Kontakt:
Prof. Dr. Dirk von Petersdorff
Institut für Germanistische Literaturwissenschaft der Universität Jena
Fürstengraben 18
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944230
E-Mail: dirk.von-petersdorff[at]uni-jena.de

Vom Wochenende

Uwe Tellkamp, Buchpreisträger 2008, war im Dresdner Villenviertel Weißer Hirsch (dort spielt Tellkamps Epos „Der Turm“) unterwegs.

Nora Gomringer ist die «Wuchtbrumme» in der Lyrikbranche. Sie begeisterte ihr Publikum bei der 2. langen Nacht der Poeise in Düren.

Claude Lévi-Strauss verlässt nicht mehr oft das Haus, liest man.

Die schwedische Royal Academy hatte zwei Schriftsteller, die von Gewalt bedroht sind, zur Diskussion geladen: Salman Rushdie und den von der Mafia bedrohten Roberto Saviano. (taz.de)

Star-Tenor Placido Domingo hat eine CD mit Liedern nach Gedichten von Johannes Paul II. veröffentlicht.

Spülen ist anstrengender als Schreiben.  Achim Bröger – Preisträger des deutschen Jugendliteraturpreises – zu Gast in Waldhausen (“Tut Ihnen die Hand nicht weh, wenn Sie soviel schreiben?”).

Quittengelee. Von Bettina Rolfes.

Der indische Schriftsteller Aravind Adiga lebt in Mumbai und ist überzeugt: Die indische Regierung hätte die Anschläge auf seine Stadt verhindern können. Ein Interview in der ZEIT.

Jozej Strutz (56), Lehrer, Verleger und Autor, wollte mit einer “Fingerübung einen Akzent setzen” und erhielt dafür seinen ersten (Lyrik-)Preis. (Kärntner Lyrikpreis)

Juan Marsé, der Gewinner des Cervantes-Preises. (SZ)

Cory Doctorow im Interview. (De:Bug Magazin)

Cory Doctorow: Stell dir vor, es gäbe nur drei Gesetze für Computer. Inklusive dem Gesetz, das sagt, dass Computer nichts kopieren dürfen, es sei denn, die kopierten Sachen haben einen “Kein Copyright”-Vermerk. Oder ein Extrabit, das den Computern sagt, dass sie deine persönlichen Informationen immer an den Polizist weitergeben müssen, der einen Durchsuchungsbefehl vorweisen kann. Was wäre das für eine Welt? Es wäre jedenfalls furchtbar, in ihr zu leben. Totalitär.

Was Elke Heidenreich im ZDF nicht sagen durfte, sagt sie jetzt im Internet auf dem neuen Literaturportal Litcolony.de (Lesen!)

Ja, sie lebt noch. Termin mit Gabriele Wohmann. (merkur.de) Ihre Erzählungen und Romane handeln vom Alltagsgrau der Bürgerlichkeit. Früher verkaufte sich das gut. Heute schreibt die 76-Jährige gegen das Vergessenwerden an.

Nachlass der Schriftstellerin Undine Gruenter in Marbach

»Der verschlossene Garten«: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Nachlass der Schriftstellerin Undine Gruenter erhalten

Aus Privatbesitz hat das Deutsche Literaturarchiv Marbach jetzt den Nachlass von Undine Gruenter erhalten. Die Papiere der 1952 in Köln geborenen und 2002 in Paris gestorbenen Schriftstellerin umfassen Manuskripte ihrer belletristischen Werke, darunter »Ein Bild der Unruhe« (Roman, 1986), »Nachtblind« (Erzählungen, 1989), »Vertreibung aus dem Labyrinth« (Roman, 1992), »Das Versteck des Minotauros« (Roman, 2001), »Sommergäste in Trouville« (Erzählungen, 2003) und »Der verschlossene Garten« (Roman, 2004) sowie ihre Korrespondenz.

Gruenter unterhielt regen Briefkontakt mit zahlreichen Zeitschriften, Verlagen und literarischen Gesellschaften, so etwa mit Michael Krüger als dem Herausgeber der Zeitschrift »Akzente«, mit den Verlagen Hanser, Suhrkamp, Insel und Kiepenheuer und Witsch. Zu ihren Brief- und Gesprächspartnern in den Medien gehörten unter anderem Marcel Reich-Ranicki (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Karl Corino (Hessischer Rundfunk).

Undine Gruenter war die Tochter der Schriftstellerin Astrid Gehlhoff-Claes und des Germanisten Rainer Gruenter. Mit ihrem Mann, dem Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer, lebte sie seit dem Jahr 1987 in Paris. Noch zwei Monate vor ihrem Tod im Jahr 2002 vollendete sie ihren letzten Roman »Der verschlossene Garten«. In Marbach wird ihr Nachlass nun erschlossen und der Forschung zur Verfügung gestellt. 

Zum Tod von Nicolaus Sombart

Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe 47, wurde als “Weltgeist mit Seidenschal” tituliert. Jetzt ist der Schriftsteller und Kultursoziologe Nicolaus Sombart im Alter von 85 Jahren gestorben.

taz (Eva Behrendt)

Schriftsteller heute

Matthias Politycki las am 16. 04. 2008 in der Literatur-Etage im Künstlerhaus Hannover. Die Aufzeichnung dieser Veranstaltung wird am 27. 04. 2008 im Radio NDR Kultur 20:00:00 – 21:55:00 Uhr gesendet. Einführung und Gesprächsleitung: Claus Röck (NDR Kultur). Polityckis neuer Roman “In 180 Tagen um die Welt. Das Logbuch des Herrn Johann Gottlieb Fichtl” ist ein Schelmenroman, in dem sich unsere Zeit und Gesellschaft in ihren Idiosynkrasien spiegelt – die Erzählung eines Finanzbeamten aus dem oberbayerischen Oberviechtach von einer Weltreise auf der MS Europa als Lottogewinn. Das Buch ist im März im Marebuchverlag erschienen.

Björn Kuhligk war für das türkisch-deutsche Stadtschreiberprojekt YakÄn BakÄş – der nahe Blick.vom 1. bis 30. März 2008 in Eskişehir. Sein “Tagebuch aus Eskişehir” können Sie hier lesen. Kuhigks besonderer Dank geht auch hier an Ernest Wichner, Literaturhaus Berlin (Ernest Wichner saß auch in der Jury für die Berliner Arbeitsstipendien).

Eine Veranstaltung im Literaturhaus Berlin: Beat Stories – Tanz aus dem Welttag des Buches.

Achtzig deutschsprachige Autoren haben auf Einladung von Thomas Kraft über Beat und Rock der 60er und 70er Jahre geschrieben; ihre »Beat-Stories« (Blumenbar Verlag) liegen gesammelt und gedruckt vor.
Otmar Jenner (Beach Boys), Volker Kaminski (Van der Graaf Generator), Uwe Kolbe (Temptations), Thomas Kraft (Wishborne Ash), Ulrich Peltzer (Taste) und Kathrin Schmidt (Cat Stevens) lesen ihre Texte und bringen die Musik dazu mit. Moderation: Uwe Schütte. Im Anschluß an die Lesung legt Thomas Kraft für Hörer und Tänzer auf. Mehr Informationen

Joachim Lottmann beantwortet weltbewegende Fragen (Bart ab bei Maxim Biller?).

Martin Gülich, Autor von drei Romanen und dem Erzählungsband mit dem schlichten Titel “Bagatellen”, empfindet den mit 6000 Euro dotierten Reinhold-Schneider-Förderpreis als “nötigen Rückenwind zum Weitergehen – Weiterschreiben”. (via)

Alban Nikolai Herbst liest seit Tagen Against the Day/ Gegen den Tag von Thomas Pynchon und dokumentiert das in seinem Blog.

Sibylle Lewitscharoff ist am 6. Mai 2008 zu Gast bei Albert von Schirnding.

“Leser sind Halunken. Sie lesen mal dies, gucken ein bißchen fern, lesen mal das und gucken wieder ein bißchen fern. Man kann sich nicht
auf sie verlassen. Dem zeitgleichen Leser Kurzweil zu verschaffen ist nicht allzu schwer. Um auf die Leser Eindruck zu machen, die noch nicht geboren sind, muss man ganz andere Kunststücke vollbringen.Am schwierigsten ist es – und die kleinste Schwierigkeit ist noch dabei, dass man dazu fest an die Auferstehung glauben muss –, die sehr wählerischen, gestorbenen Leser zu beeindrucken…” Sibylle Lewitscharoff

Frank Schätzing schrieb die Vorlage zu ‘Die dunkle Seite’ (So., 18.05., 20.15 Uhr) und ‘Mordshunger’ (Do., 22.05., 20.15 Uhr, beides RTL)

Frank Schätzing im Interview

Als erste Augsburger Brecht-Gastprofessorin bietet im Sommersemester 2008 nun die Berliner Schriftstellerin Felicitas Hoppe in der Germanistik zwei Seminare für Studentinnen und Studenten an – das eine zum Thema “Sieben auf einen Streich: Märchen weitererzählen”, das andere über “Sieben Schätze: Literatur, Geschichte, Wissenschaft”. Mit “Sieben Schätze” ist darüber hinaus auch Hoppes siebenteilige (Vor-)Lesung betitelt, die nicht nur für die Studierenden zugänglich ist. Sie findet an verschiedenen Orten in der Augsburger Innenstadt, und alle Interessierten sind zu diesen sieben Abenden eingeladen, an denen Felicitas Hoppe nicht nur ihr eigenes Werk, sondern auch ihre Lieblingsbücher vorstellen wird – Bücher, in denen es um Entdecker, Schatzsucher und Schatzwächter geht.

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