5Minuten Texte

Zwischen Tür und Angel

Mit Sonnenaufgang kommen auch wieder neue Skandale ans Licht. Kaum die Augen und die Gehörgänge auf Empfang geschaltet, klingelt die Öko-Oma aus dem Erdgeschoss. Steht da und hält ein Paket für meine Mitbewohnerin Claudia in den Händen (war der Paketzusteller wieder zu faul, die vier Treppen zu gehen…?); noch ehe ich Danke sagen kann, redet die Frau wie eine Springflut, aber das kenne ich schon, noch Stunden später sind die Satzfetzen ein Gewitter in meinem Kopf: Krebs aus dem Solarium (“Nein, nur ein paar Tage Urlaub auf einer Seychellen-Insel!”), zu hoher Zuckergehalt in Soft-Drinks (“Nein, wir trinken nur stilles Mineralwasser!”), Arsen-Belastung in Säften für Babys (“Schnee von gestern, unser Baby wird erst noch geboren!”), Salmonellen in Rohwurst (“Ich bin Vegetarier, gnä’dige Frau!”). Um geistig wieder auf Normalzustand zu kommen, buchstabiere ich leise Propyphenazon, Paracetamol und Acetylsalicylsäure, mache ein paar Sit-ups und freue mich auf meinen nächsten Orgasmus. Vorher Lena anrufen, die mich abends hoffentlich ayurvedisch-indisch bekochen wird, kein One-Night-Stand könnte diese Abende mit meiner Lena ersetzen. Die Liebe ist das stärkste Aphrodisiakum, aber Lena-Schätzchen geht nicht an ihr Handy. Wenn sie nur nicht diese Bindungsängste hätte, dann wäre vieles einfacher. „Pulsierende Lust, die Leidenschaft. Ich erlebe dich, unbändige Kraft. Dein Atem wild, dein Körper schreit. Vertrau mir, die dich befreit.“ Singt eine Yvonne und ich schalte das Radio aus um mich von dieser Stimme zu befreien. Mir war das jetzt wirklich zu aufdringlich. Ich muss sowieso gleich mein Wohlfühlnest verlassen. Dann heißt es, den Spekulanten endlich den Stecker rauszuziehen. Ich komme aber nur in Fahrt, wenn ich heute in den Außendienst darf. Das würde mich absolut glücklich machen. Haikus schreiben, bringt da nicht den Hauch. Und ich will auch nicht die Welt retten, aber zumindest den Euro-Zockern so gewaltig das Didgeridoo pusten, bis sie an ihren eigenen Blähungen krepieren. Wenn mein Boss grünes Licht gibt, dann Auf! Auf! mit Tempo zu einer besonderen Sightseeingtour. Der Druck bei denen, die das Volk (“Wir sind doch alle nur vorübergehende Mieter dieser Erde”) in die Bredouille gebracht haben, wächst. Man muss sich für den richtigen Weg entscheiden, sonst gehen wir alle kaputt. Im Grab bewegen wir nichts mehr.

(“Bild”-Geschichte, geschrieben/montiert nach der Lektüre von Bild Online)

Zugehört: 24 erste Sätze vom Tag.

Frau Huffington hat schon vor einer Woche für die DLD09 abgesagt.

Der Lotto-Jackpot wurde nicht geknackt.

Das Glück kommt lautlos, aber man hört, wenn es geht. (A. Selinko)

Geduld zahlt sich aus.

Marc, Macke & Delaunay bringen Farbe in die Stadt.

Hund stinkt nach Hund.

Gefrorenes Hirn: Kälte macht dumm.

Ist der Käse endlich reif?

Was heißt schon “auf den letzten Drücker”?

Jeder hat ein Recht auf Wärme: Die Wohnung muss zwische 6 und 20 Uhr auf mindestens 20 Grad geheizt werden.

Hast du eine Ahnung, was so eine Zahnspange kostet?

Das Jahr des Büffels beginnt heute.

Die Arbeit ist ein Vergnügen.

Der Ortheil hat den mit 7.500 Euro dotierten Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis der Stadt Alzey bekommen.

Die Dichter bauen Luftschlösser, die Leser bewohnen sie und die Verleger kassieren die Miete. (Maxim Gorki)

Der Schiedsrichter hat doch die Deutschen verschaukelt.

Das Lichtzelt taugte nichts, Amazon hat den Betrag sofort erstattet.

Alle Liebesbriefe sind lächerlich.

Jeden Tag will man mir ein Upgrade aufschwatzen, aber ich brenne nichts mehr.

Der Bus ist soeben weg.

Wo liegt denn die Augen- und Nasensalbe?

Der Tee schmeckt besser, wenn er kräftig zubereitet wird.

Tom Cruise hat fünfzehn Mal die Schule gewechselt.

Ich schreibe hier einen Beschwerdebrief über eine mangelhafte Dienstleistung.

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