Leben. Schreiben. Lesen.
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Oktober 2008
1. (-) 96 Punkte
UWE TELLKAMP: Der Turm
Roman.
Suhrkamp Verlag
972 Seiten, 24,80 Euro
Mittelschwere Lektüre
“Geschichte aus einem versunkenen Land” nennt Uwe Tellkamp
seinen monumentalen Roman im Untertitel. Er erzählt das
letzte Jahrzehnt der DDR aus der Perspektive eines
bedrängten Bürgertums, der
Arztfamilien Hoffmann und Tietze, des Lektors Meno
Rohde. Ihre Welt und ihre Kultur sind vom Untergang
bedroht, aber dokumentieren zugleich die Erschöpfung
eines ganzen Staates.
2. (7. –
INGEBORG BACHMANN/PAUL CELAN: Herzzeit
Briefwechsel. Herausgegeben von Barbara Wiedemann,
Bertrand Badiou u.a.
Suhrkamp Verlag
401 Seiten, 24,80 Euro
Mittelschwere Lektüre
“Der Versuch, in spürbar dünner Höhenluft Dichtung und
Leben miteinander in Einklang zu bringen, verbindet die
Briefe Ingeborg Bachmanns und Paul Celans mit den großen
Marksteinen der Literaturgeschichte. So etwas hat es seit
Kafkas Briefen an Felice und Milena nicht mehr gegeben.”
(Helmut Böttiger)
3. (-) 49 Punkte
RAFAEL CHIRBES: Krematorium
Roman. Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz.
Kunstmann Verlag
432 Seiten, 22,00 Euro
Mittelschwere Lektüre
Am Anfang steht ein Tod. Als Matías stirbt, gerät das
Gefüge einer ganzen Familie ins Wanken: der ältere Bruder,
Bauunternehmer, der für Erfolg und Geld alles geopfert hat,
die zweite Frau Sylvia, die es genau darauf abgesehen hat,
die Tochter, die sich in das Schicksal einer zerrütteten
Ehe schickt. Nichts hält mehr.
4. (-) 46 Punkte
HANNE KULESSA: Der Große Schwarze Akt
Roman.
Weidle Verlag
216 Seiten, 21,00 Euro
Leichtere Lektüre
“Der Grabstein ist umgefallen”, der Grabstein der Mutter.
Paula benutzt ihn als Bank, ein Unbekannter kommt vorbei
und reicht ihr ein Pfefferminzbonbon. Paula beginnt von
ihrer Mutter zu erzählen…
5. (9.) 39 Punkte
RUTH KLÜGER: unterwegs verloren
Erinnerungen.
Zsolnay Verlag
240 Seiten, 19,90 Euro
Leichtere Lektüre
1992 erschien “weiter leben. Eine Jugend”, der nüchterne
Bericht einer Höllenfahrt durch die deutschen
Konzentrations- und Vernichtungslager, Erinnerung und
Dichtung zugleich. Jetzt erzählt Ruth Klüger ihre
Geschichte als junges Mädchen in den USA, erzählt von
der Heirat, der Scheidung, der Beziehung zu ihren Söhnen
und ihrem Weg zu einer erfolgreichen Literaturwissenschaftlerin
und Schriftstellerin.
6. (10.) 33 Punkte
NORBERT NIEMANN: Willkommen neue Träume
Roman.
Carl Hanser Verlag
608 Seiten, 24,90 Euro
Mittelschwere Lektüre
Der Held ist ein Fernsehjournalist in seiner midlife crisis.
Er fährt zurück in seine Heimat, seine Mutter veranstaltet
ein großes Fest. Aber wo ist das Glück, im Dorf oder in der
Stadt? In der Welt der Medien oder sonstwo da draußen?
Durch alle scheint ein Riß zu gehen, keiner scheint zuhause.
Es kommt zum Eklat.
7. – 8. (-) 26 Punkte
VOLKER BRAUN: Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von
Lauchhammer
Suhrkamp Verlag
221 Seiten, 19,80 Euro
Mittelschwere Lektüre
Eine Welt ohne Arbeit, in der einer Arbeit sucht:
Meister Flick. Und wenn er sie nicht bekommt, die 1-Euro-Jobs,
die Aushilfsarbeiten, dann findet, erfindet er sich
Tätigkeiten. Aber in einer Welt, der die Arbeit ausgeht,
ist Arbeit Sabotage.
7. – 8. (4.) 26 Punkte
CESARE PAVESE: Die einsamen Frauen
Roman. Aus dem Italienischen von Maja Pflug.
Claassen Verlag
208 Seiten, 19,90 Euro
Mittelschwere Lektüre
Ein Meisterwerk in neuer Übersetzung zum 100. Geburtstag
von Cesare Pavese. Die Geschichte einer erfolgreichen Frau,
die nach Turin zurückkehrt, um erneut die gesellschaftlichen
Zwänge in ihrer Heimatstadt zu erleben.
9.-11. (-) 25 Punkte
IRIS HANIKA: Treffen sich zwei
Roman.
Literaturverlag Droschl
240 Seiten, 19,00 Euro
Leichtere Lektüre
“Da wird vom rührenden Glück zweier Tölpel erzählt, durchaus
heutiger Tölpel in durchaus heftig-heutiger Sprache – na ja,
wie die Leute halt in Berlin so reden, und dann wird auch
wieder ganz albern-schwebend erzählt von Momenten, in denen
die beiden lächelnd und zart einverstanden sind damit, in der
Welt zu sein, in diesem Moment, in dieser Stadt, und das Tolle
ist, dass man tief bewegt mit den beiden sympathisiert und
denkt: So geht es manchmal auch, ja, doch, solche Erfahrungen
gelungenen Lebens kann man bisweilen schon machen.” (Jörg Drews)
9.-11. (-) 25 Punkte
CHRISTIAN KRACHT: Ich werde hier sein im Sonnenschein und
im Schatten
Roman.
Verlag Kiepenheuer & Witsch
160 Seiten, 16,95 Euro
Mittelschwere Lektüre
Wir befinden uns mitten in einem hundertjährigen Weltkrieg.
Das faschistische Deutschland kämpft gegen die Sowjetische
Republik Schweiz, die 1917 vom Revolutionär Lenin begründet
worden war. Der Held ist ein schwarzer Politkommissar, der
hinter einem Konterrevolutionär her ist. Ein geopolitischer
Fantasy-Roman im Sound des Ersten Weltkriegs.
9.-11. (-) 25 Punkte
ORHAN PAMUK: Das Museum der Unschuld
Roman. Aus dem Türkischen von Gerhard Meier.
Carl Hanser Verlag
576 Seiten, 24,90 Euro
Leichtere Lektüre
Istanbul Mitte der 70er Jahre: Kemal steht kurz vor seiner
Verlobungsfeier mit Sibel, “die nach Meinung aller
ausgezeichnet” zu ihm passt, als er Füsun trifft, mit ihm
verwandt, aus ärmlicheren Verhältnissen kommend und
wunderschön. Eine heiße Affäre beginnt. Auf dem Verlobungsfest
taucht Füsun zum letzten Mal auf. Danach erst weiß Kemal,
was er verloren hat.
Persönliche Empfehlung im Oktober von Andreas Isenschmid
(Zürich)
Claude Simon: Der blinde Orion
Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer.
Zweitausendeins
170 Seiten, 24,90 Euro
“Einer der berühmtesten experimentellen Texte des
Nobelpreisträgers Claude Simon liegt hier erstmals in Deutsch
vor. Wie gewohnt fabelhaft übertragen von Eva Moldenhauer.
Simon beschäftigt sich mit einer Reihe von Bildern, berichtet
von ihnen aber nicht, wie das herkömmliche Erzählen, in
zeitlicher und kausaler Folge. Stattdessen bastelt, arrangiert
und permutiert er Bildfragmente nach Gemeinsamkeiten von
Wörtern oder Formen. Was beim Lesen sperrig anhebt, gewinnt,
hat sich der Kopf erst von den alten Regeln befreit und an
die neuen gewöhnt, eine rauschhafte Dimension.
(Andreas Isenschmid)
Literatur im Fernsehen
“Literatur im Foyer” mit Thea Dorn
Freitag, 10. Oktober um 0.15 Uhr im SWR Fernsehen
Gäste: André Heller, Norbert Gstrein, Jakob Hein
Freitag, 24. Oktober um Mitternacht im SWR Fernsehen
Gäste: Volker Schlöndorff und Peter Härtling
“Literatur im Foyer – extra” mit Martin Lüdke
Dienstag, 14. Oktober um 23 Uhr im SWR Fernsehen
Buchmesse Frankfurt
Gäste: Rafik Schami, Uwe Timm u.v.a.
Die “Bestenliste” im Hörfunk
“SWR2 Literatur”
Dienstag, 7. Oktober um 20.03 Uhr
mit Helmut Böttiger, Julia Schröder, Hubert Spiegel
Moderation: Hubert Winkels
Südwestrundfunk
Fernsehen Kultur und Gesellschaft
76522 Baden-Baden
Tel. 07221/929-2846
SWR-Bestenliste im INTERNET:
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SWR Bestenliste
August 2008
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1. (4. – 5.) 46 Punkte
REINER STACH: Kafka
Die Jahre der Erkenntnis
S. Fischer Verlag
Mittelschwere Lektüre
728 Seiten, 29,90 Euro
‘Vollständiges Begreifen meiner Lage’, das ist das Motto
von Franz Kafkas Schreiben. Eine unendliche Analyse, die
die Welt und unser Denken radikal verflüssigt. Und uns in
Bewegung hält, weil wir als Kafka-Deuter den Strom kanalisieren
wollen.Wie vollständig man Kafkas Leben begreifen kann, beweist
Reiner Stach im zweiten Band seiner großen Kafka-Biographie,
die vom Jahr 1916 bis zu Kafkas Tod im Jahr 1924 reicht.
2. (-) 45 Punkte
VLADIMIR NABOKOV: Fahles Feuer
Gesammelte Werke, Band 10
Rowohlt Verlag
Mittelschwere Lektüre
608 Seiten, 28,00 Euro
Der erste Roman von Vladimir Nabokov, nach seinem Welterfolg
‘Lolita’ 1962 erschienen, und jetzt im Rahmen der Gesamtausgabe
mustergültig ediert. Ein anspielungsreiches Feuerwerk um zwei
ganz besondere Helden: ein Gedicht und seinen Kommentar.
3. (7.) 40 Punkte
IRIS HANIKA: Treffen sich zwei
Roman.
Literaturverlag Droschl
Leichtere Lektüre
240 Seiten, 19,00 Euro
‘Da wird vom rührenden Glück zweier Tölpel erzählt, durchaus heutiger
Tölpel in durchaus heftig-heutiger Sprache – na ja, wie die Leute halt
in Berlin so reden, und dann wird auch wieder ganz albern-schwebend
erzählt von Momenten, in denen die beiden lächelnd und zart einverstanden
sind damit, in der Welt zu sein, in diesem Moment, in dieser Stadt, und
das Tolle ist, dass man tief bewegt mit den beiden sympathisiert und
denkt: So geht es manchmal auch, ja, doch, solche Erfahrungen gelungenen
Lebens kann man bisweilen schon machen.’ (Jörg Drews)
4. (-) 36 Punkte
ANDREAS NEUMEISTER: Könnte Köln sein
Roman. Städte. Baustellen
Suhrkamp Verlag
Mittelschwere Lektüre
276 Seiten, 16,80 Euro
‘Bauen Wohnen Denken’, Andreas Neumeister katalogisiert den
Lebensraum Stadt mit allem, was dazugehört: Architektur, Musik,
Kunst. Er entziffert die Grammatik einer Stadt. Jeder Stadt.
5. (8.) 25 Punkte
KATHARINA FABER: Fremde Signale
Ein Album. Roman.
Bilger Verlag
Mittelschwere Lektüre
440 Seiten, 22,00 Euro
Drei Schutzengel erzählen von Katharina, die in den friedlichen
50er Jahren des letzten Jahrhunderts zu Welt kommt. Drei Engel,
die selber Schutz gebraucht hätten, das wird immer klarer:
Michail, sowjetischer Soldat, der im Kampf gegen die Deutschen
fällt, Linette, die kurz vor der Französischen Revolution jung
einer Hirnhautentzündung erliegt, und Boris, ein hochbegabter
Außenseiter, der mit 13 Jahren an Krebs stirbt.
6. (3.) 22 Punkte
ANJA JARDINE: Als der Mond vom Himmel fiel
Erzählungen.
Verlag Kein & Aber
Leichtere Lektüre
302 Seiten, 18,90 Euro
‘Alle sind gut vernetzt, die Wege um den Globus kein Problem,
und die Aussichten waren bis vor kurzem noch glänzend. Doch
plötzlich herrscht in den innersten Bezirken schiere Einsamkeit,
versierte Weltläufigkeit schlägt um ins Eisige. Anja Jardine
trifft den Punkt, vielsagend, erfahrungsreich.’ (Eberhard Falcke)
7. – 8. (10.-12.) 21 Punkte
LUKAS BÄRFUSS: Hundert Tage
Roman.
Wallstein Verlag
Mittelschwere Lektüre
198 Seiten, 19,90 Euro
Er ist einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker. In
seinem ersten Roman erzählt Bärfuss eine Liebesgeschichte in
den Zeiten des Völkermords: David ist Entwicklungshelfer in
Ruanda. Er bleibt im Land, als das Gemetzel beginnt. Am Ende
flieht er mit den Mördern über die Grenze. Und trifft im
Flüchtlingslager seine einstige Liebe wieder.
7. – 8. (-) 21 Punkte
RAMIRO PINILLA: Der Feigenbaum
Roman.
dtv
Mittelschwere Lektüre
320 Seiten, 14,90 Euro
Rogelio Cerón lebt seit über 30 Jahren neben einem Feigenbaum.
Seine Vergangenheit läßt ihn nicht los. Damals, 1937, als er
im spanischen Bürgerkrieg für den Faschisten Franco kämpfte,
damals, als er einen Vater und dessen Sohn ermordete, damals,
als an dieser Stelle plötzlich ein Schössling zu wachsen begann.
9. (-) 20 Punkte
JENNY ERPENBECK: Heimsuchung
Roman.
Eichborn.Berlin Verlag
Mittelschwere Lektüre
192 Seiten, 17,95 Euro
Der Roman eines Jahrhunderts, erzählt entlang eines Hauses am
Scharmützelsee. Erdgeschichte, Naturgeschichte, politische
Geschichte, verwoben in biographischen Miniaturen. Das 20.
Jahrhundert zwischen Idylle und Verlust.
10. – 11. (-) 18 Punkte
NATHAN ENGLANDER: Das Ministerium für besondere Fälle
Roman.
Luchterhand Literaturverlag
Leichtere Lektüre
448 Seiten, 19,95 Euro
Buenos Aires in den 70er Jahren. Kaddisch Poznan verdient
sich sein Geld, indem er im Auftrag schamhafter Nachgeborener
Namen von Grabsteinen auf dem Friedhof der Zuhälter und
Huren abschlägt, seine Ehefrau Lilian arbeitet bei einer
Versicherung. Ihr Sohn Pato ist ein politischer Träumer.
Aber dann lässt ihn die Militärdiktatur in ihrem Krieg gegen
die eigene Bevölkerung verhaften…
10. – 11. (-) 18 Punkte
ROLF LAPPERT: Nach Hause schwimmen
Roman.
Carl Hanser Verlag
Mittelschwere Lektüre
544 Seiten, 21,50 Euro
Mit 20 Jahren wirft sich Wilbur bei Coney Island ins Meer,
um sich das Leben zu nehmen. Aber auch das gelingt ihm nicht.
Angler retten ihn, er kommt in eine Klinik. Wilbur ist der
geborene Verlierer. Die Mutter stirbt bei seiner Geburt,
der Vater haut ab, die Großmutter nimmt ihn auf, aber auch
sie überlebt nicht lange. Nur der, der das Leben loswerden
will, kann ihm nicht entfliehen.
Persönliche Empfehlung im August von Volker Hage (Hamburg)
Joyce Carol Oates: Du fehlst
Roman. Aus dem Amerikanischen von Silvia Morawetz.
S. Fischer Verlag
489 Seiten, 22,90 Euro
‘Joyce Carol Oates, die im Juni 70 geworden ist, wird wegen
ihrer geradezu beängstigenden Produktivität gern unterschätzt.
In ihrem neuen Roman ‘Du fehlst’ gelingt ihr das faszinierende
Doppelporträt von zwei Schwestern, die mit dem Tod ihrer Mutter
(sie ist bei einem Raubmord ums Leben gekommen) völlig
unterschiedlich umgehen. Und es gelingt einmal mehr das Kunststück
der US-Autorin, unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich zu
erzählen.’(Volker Hage)
Literatur im Fernsehen
‘Literatur im Foyer’ mit Thea Dorn
Sonntag, 10. August um 10.15 Uhr in 3sat
Gäste: Sigrid Damm, Helmut Krausser, Charlotte Roche
(Wiederholung vom 28. März)
Sonntag, 17. August um 10.15 Uhr in 3sat
Gäste: Karen Duve, Amelie Fried, Najem Wali
(Wiederholung vom 16. Mai)
Sonntag, 31. August um 10.15 Uhr in 3sat
Gast: Daniel Barenboim ? ?Klang ist Leben?
‘Literatur im Foyer’ mit Martin Lüdke
Sonntag, 24. August um 10.15 Uhr in 3sat
Gäste: Florian Havemann, Peter Schneider,
Rupert von Plottnitz, Stephan Wackwitz
Südwestrundfunk
Fernsehen Kultur und Gesellschaft
76522 Baden-Baden
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April 2008
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1. (-) 68 Punkte
MARCEL BEYER: Kaltenburg
Roman.Suhrkamp Verlag, 397 Seiten, 19.80 Euro
Mittelschwere Lektüre
Die Lebensgeschichten zweier Ornithologen in den Extremen
des 20. Jahrhunderts. Der eine berühmt, auch berüchtigt für
seine Schlüsse von der Natur auf die Gesellschaft, der andere,
mittelmässig, sein Biograph.
2. (-) 65 Punkte
FERIDUN ZAIMOGLU: Liebesbrand
Roman. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 384 Seiten, 19.95 Euro
Leichtere Lektüre
Fast wäre er bei einem Busunglück im Ausland gestorben,
aber dann erscheint gerade noch rechtzeitig eine junge Frau
und rettet sein Leben. Sie verschwindet. Liebesentbrannt macht
er sich auf die Suche nach seinem Schutzengel.
3. (-) 49 Punkte
CLEMENS MEYER: Die Nacht, die Lichter
Stories
S. Fischer Verlag, 272 Seiten, 18.90 Euro
Leichtere Lektüre
Die Kurzgeschichten des diesjährigen Leipziger Bücherpreisträgers:
Nachtgestalten mit Träumen, die sich manchmal in Alpträume verwandeln.
4. (6) 45 Punkte
MARTIN WALSER: Ein liebender Mann
Roman. Rowohlt Verlag, 288 Seiten, 19.90 Euro
Leichtere Lektüre
73, 19 – Goethes Schicksalszahlen: 1823 verliebt er sich in
Marienbad in Ulrike von Levetzow. 54 Jahre liegen zwischen
ihnen, fast ein ganzes Leben. Aber ein liebender Mann zählt
nicht. Er macht ihr einen Heiratsantrag. Und wird abgewiesen.
Aber: “Keine Liebschaft war es nicht” wird die historische Ulrike
in ihren Erinnerungen sagen. (Leseprobe vorhanden)
5. (-) 42 Punkte
YASMINA REZA: Frühmorgens, abends oder nachts
Aus dem Französischen von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel.
Carl Hanser Verlag, 208 Seiten, 17.90 Euro
Mittelschwere Lektüre
Die französische Starautorin durfte Nicolas Sarkozy im Wahlkampf
begleiten. Ein Tagebuch, eine Reportage, ein Einblick in die
Rituale der Macht.
6. – 7. (-) 31 Punkte
WILLA CATHER: Meine Antonia
Roman. Aus dem Amerikanischen von Stefanie Kremer.
Knaus Verlag, 320 Seiten, 19.95 Euro
Leichtere Lektüre
“Wer ?Meine Antonia? einmal gelesen hat, vergisst es nicht mehr.
Ihre Heldin gehört jenem Kosmos an, in dem Oblomow und die Buddenbrooks,
Emma Bovary und Anna Karenina, Lady Chatterley und Tom Saywer
miteinander verkehren; sie alle lebendig genug, um ihre Schöpfer
zu überleben.” (Elke Schmitter)
6.-7. (-) 31 Punkte
BRUNO SCHULZ: Die Zimtläden
Aus dem Polnischen von Doreen Daume.
Carl Hanser Verlag, 232 Seiten, 21,50 Euro
Mittelschwere Lektüre
Einer der großen polnischen Erzähler des 20. Jahrhunderts, von
den Nazis 1942 im Drohobyczer Ghetto erschossen. Eine Neuübersetzung
seines Hauptwerks.
8. – 9. (-) 28 Punkte
WJATSCHESLAW KUPRIJANOW: Im Geheimzentrum
Erzählungen. Aus dem Russischen von Peter Steger.
ERATA Literaturverlag, 130 Seiten, 16,95 Euro
Mittelschwere Lektüre
Ein Unbekannter der zeitgenössischen russischen Literatur,
Mathematiker, Sprachwissenschaftler und Autor von Gedichten und
Geschichten. Sein Witz erinnert an die Prosa von Daniil Charms,
dem Meister der Groteske.
8. – 9. (-) 28 Punkte
MARTIN MOSEBACH: Stadt der wilden Hunde
Nachrichten aus dem alltäglichen Indien
Carl Hanser Verlag, 173 Seiten, 16,90 Euro
Mittelschwere Lektüre
Der Büchnerpreisträger Martin Mosebach auf seiner Reise durch
Indien. Nach dem Roman “Das Beben” jetzt das essayistische Porträt
eines Landes zwischen Tradition und Aufbruch.
10. (-) 27. Punkte
SILVIA BOVENSCHEN: Verschwunden
S. Fischer Verlag, 176 Seiten, 17.90 Euro
Mittelschwere Lektüre
Nach dem großen Erfolg von “Älter werden” jetzt “Verschwunden”:
Ein Erzählreigen über Menschen und Dinge, die verloren gehen.
Im Mittelpunkt: Daniela, eine Scheherazade, die gegen das eigene
Verschwinden anerzählt.
Persönliche Empfehlung im April von Eberhard Falcke (München)
TRUMAN CAPOTE: Die Hunde bellen
Alle Reportagen, Porträts und Reiseskizzen
Aus dem Amerikanischen von Marcus Ingendaay.
Verlag Kein & Aber, 912 Seiten, 29.90 Euro
“Oft führte er sich auf wie der Größte aller Glitterati, doch
er war ein erstaunliches Arbeitstier (wenn ihn Alkohol und Drogen
nicht mattsetzten). Er schrieb eine großartige Prosa, klar,
detailgenau, stachlig, ohne Metaphernqualm. Darum ist die Zürcher
Capote-Werkausgabe eine Freude und der Band mit den gesammelten
Reportagen, Porträts, Reisebildern, Dialogen und Selbstgesprächen
eine tolle Ergänzung – wie ein Tausend-Seiten-Magazin, geschrieben
von lauter Edelfedern. Capote war magisch angezogen von jedem Aufruhr
des Lebens, gleich ob luxuriös oder kriminell, bescheiden oder
brillant, lächerlich oder erhaben. Das ist beste Unterhaltung für
Intelligenz und Gefühl, ob die Hunde nun bellen oder nicht.”
(Eberhard Falcke)
Literatur im Fernsehen
‘Literatur im Foyer’ mit Thea Dorn
Freitag, 11. April um Mitternacht im SWR Fernsehen
Gäste: Sigrid Damm, Helmut Krausser, Charlotte Roche
Freitag, 25. April um Mitternacht im SWR Fernsehen
‘68 und kein Ende?’
mit Daniel Cohn-Bendit, Dietmar Dath, Reinhard Mohr, Stefan Wolle
‘Literatur im Foyer’ mit Martin Lüdke
Freitag, 18. April um Mitternacht im SWR Fernsehen
Sonntag, 20. April um 10.15 Uhr in 3sat
Gäste: Feridun Zaimoglu, Margriet de Moor,
Martin Mosebach, Verena Auffermann, Ijoma Mangold
Die ‘Bestenliste’ im Hörfunk
‘SWR2 Literatur’
Dienstag, 1. April um 20.03 Uhr
mit Ursula März, Elmar Krekeler, Hajo Steinert
Moderation: Kirsten Voigt
Südwestrundfunk
Fernsehen Kultur und Gesellschaft
76522 Baden-Baden
Tel. 07221/929-2846
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SWR Bestenliste März 2008
März 2008
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1. (5.) 65 Punkte
WASSILI GROSSMAN: Leben und Schicksal
Roman. Aus dem Russischen von Madeleine von Ballestrem,
Arkadi Dorfmann, Elisabeth Markstein und Annelore Nitschke.
Claassen Verlag, 1088 Seiten, 24,90 EUR
mittelschwere Lektüre
“Leben und Schicksal des Volkes, das sein Land vom nazistischen
Aggressor befreite und das der nach der kriegsentscheidenden
Wende von Stalingrad zu scheinbarer Allmacht erstarkten
Stalin-Diktatur unterlag: Am Beispiel und aus der Perspektive
zahlreicher Personen, die alle Schichten und Kreise der
Sowjet-Gesellschaft repräsentieren, zeigt Wassili Grossman in
seinem bitteren Epos, dass es kein richtiges Leben im
Falschen geben kann.” (Wolfgang Werth)
2. (-) 64 Punkte
PHILIP ROTH: Exit Ghost
Roman. Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren.
Carl Hanser Verlag, 304 Seiten, 19,90 EUR
leichtere Lektüre
Die Rückkehr des jetzt 71-jährigen Nathan Zuckerman:
Nach einer Prostataoperation ist er impotent und inkontinent.
Eine Behandlung verspricht Hoffung. Er lernt ein junges Paar kennen
und verliebt sich in Jamie. Seine Gefühle sind jünger als er.
In diesem Widerspruch siedeln Trauer, Wut, Melancholie.
3. (-) 59 Punkte
BRIGITTE KRONAUER: Die Kleider der Frauen
Geschichten
Reclam Verlag, 176 Seiten, 4,80 EUR
mittelschwere Lektüre
26 kurze Erzählungen der Büchnerpreisträgerin von 2005,
präzise Miniaturen über ein spannungsreiches Verhältnis:
Wie viel Ich steckt in meinen Kleidern?
4. (-) 57 Punkte
JENNY ERPENBECK: Heimsuchung
Roman. Eichborn.Berlin Verlag, 192 Seiten, 17,95 EUR
mittelschwere Lektüre
Der Roman eines Jahrhunderts, erzählt entlang eines Hauses am
Scharmützelsee. Erdgeschichte, Naturgeschichte, politische
Geschichte verwoben in biographischen Miniaturen.
Das 20. Jahrhundert zwischen Idylle und Verlust.
5. (1.) 52 Punkte
PETER HANDKE: Die morawische Nacht
Erzählung. Suhrkamp Verlag, 561 Seiten, 28,00 EUR
mittelschwere Lektüre
“Handke hat Vergnügen daran gefunden, sich von außen zu
betrachten und mitunter zu lächeln über das, was er da sieht.
‘Die morawische Nacht’ ist der Versuch eines Dichters,
mit sich und der Welt ins Reine zu kommen. Für jemanden,
der den Streit oft mehr zu lieben schien als den Frieden,
ist das erstaunlich gut gelungen.” (Hubert Spiegel)
6. (-) 50 Punkte
MARTIN WALSER: Ein liebender Mann
Roman. Rowohlt Verlag, 288 Seiten, 19,90 EUR
leichtere Lektüre
73, 19 – Goethes Schicksalszahlen: 1823 verliebt er sich in
Marienbad in Ulrike von Levetzow. 54 Jahre liegen zwischen ihnen,
fast ein ganzes Leben. Aber ein liebender Mann zählt nicht.
Er macht ihr einen Heiratsantrag. Und wird abgewiesen.
Aber: “Keine Liebschaft war es nicht” wird die historische
Ulrike in ihren Erinnerungen sagen.
7. (9.) 45 Punkte
HANNA KRALL: Herzkönig
Verlag Neue Kritik, 174 Seiten, 19,50 EUR
mittelschwere Lektüre
“?Herzkönig? ist ein Lebensbericht von hunderttausend ähnlichen
Lebensberichten, den aber nur Hanna Krall so gnadenlos nüchtern
auf engstem Raum erzählen kann. … ?Herzkönig? ist eine
ergreifende (wahre) Erzählung vom Überleben. Schicksale
vor dem Vergessen zu bewahren, ist Hanna Kralls Lebensaufgabe.”
(Verena Auffermann)
8.-9. (-) 25 Punkte
JONATHAN LITTELL: Die Wohlgesinnten
Roman. Aus dem Französischen von Hainer Kober.
Berlin Verlag, 1392 Seiten, 36,00 EUR
mittelschwere Lektüre
In Frankreich umstritten und heiß diskutiert, jetzt auf Deutsch:
Die fiktive Lebensbeichte des coolen Edelnazis Max Aue, eine
entfesselte Biographie zwischen Kultur und KZ. Die Historiker
haben die Frage gestellt: Wie konnten normale Männer zu
Massenmördern werden? Littell antwortet mit einem literarischen Monster,
einer Art Nazi-Hannibal Lecter.
8.-9. (3.) 25 Punkte
RICHARD YATES: Verliebte Lügner
Short Storys. Aus dem Amerikanischen von Anette Grube.
DVA, 320 Seiten, 19,95 EUR
mittelschwere Lektüre
Der zweite Band mit Kurzgeschichten des 1991 verstorbenen amerikanischen
Schriftstellers: Erzählungen von den Schattenseiten des amerikanischen
Traums.
“Chronist des Zeitalters der Angst” nennt ihn sein Kollege Stewart O’Nan
voller Bewunderung.
10. (7.) 24 Punkte
ULF STOLTERFOHT: holzrauch über heslach
Gedicht
Urs Engeler Editor, 128 Seiten, 19,00 EUR
mittelschwere Lektüre
Autobiographisches Großgedicht, das der Konfrontation zweier Welten
entspringt, der schwäbischen Heimat, Heslach, einem Stadtteil von
Stuttgart,
und dem Gelesenen und Gehörten: Helmut Heißenbüttel, Ezra Pound,
Johann Fischart, Captain Beefheart.
Persönliche Empfehlung im März von Martin Ebel (Zürich)
Uzodinma Iweala: Du sollst Bestie sein!
Roman. Aus dem Englischen von Marcus Ingendaay.
Ammann Verlag, 157 Seiten, 18,90 EUR
“Täter reden nicht, sagt man über die Mörder des “Dritten Reiches”.
Kindersoldaten, die zum grässlichen Tun gezwungenen Opfer,
reden auch nicht – die Autobiographien, die derzeit gehandelt werden,
sind zumindest in ihrer Authentizität zweifelhaft. Uzodinma Iweala,
der erst 25-jährige afro-amerikanische Autor, fingiert nicht.
Er hat einen Roman geschrieben, aus der Perspektive eines Kindersoldaten,
irgendwo in Afrika. In einer eigenen Sprache, die einen von der
ersten Seite an gefangen nimmt. Atemlos spricht sie, entsetzlich ist,
was sie sagt. Wie die Glieder derer, die er töten muss, zerhackt der
Erzähler die Sätze, sinnlos und monoton, und die Schnitte gehen tief.
Ein zutiefst quälendes Leseerlebnis.” (Martin Ebel)
Literatur im Fernsehen
‘Literatur im Foyer’ mit Thea Dorn
Freitag, 14. März um Mitternacht im SWR Fernsehen
Sonntag, 16. März um 13.30 Uhr in 3sat
‘Vom Glanz und Elend der Bücherwelt’
Gäste: Klaus Eck, Wolfgang Ferchl,
Michael Krüger, Antje Kunstmann u.a.
‘Literatur im Foyer’ mit Martin Lüdke
Freitag, 7. März um Mitternacht im SWR Fernsehen
Sonntag, 9. März um 13.30 Uhr in 3sat
Gäste: Martin Walser, Dieter Borchmeyer u.a.
Südwestrundfunk
Fernsehen Kultur und Gesellschaft
76522 Baden-Baden
Tel. 07221/929-2846
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