Leben. Schreiben. Lesen.
Interview mit Katja Lange-Müller
In „Böse Schafe“ flieht eine Ost-Berlinerin Mitte der Achtziger in den Westteil der Stadt und verliebt sich. Die Schriftstellerin Katja Lange-Müller über ihren neuen Roman, der von einem Junkie erzählt und von einem Ort, den es nicht mehr gibt.
Besteht Ihre Arbeit viel aus: wieder wegstreichen?
Katja Lange-Müller: Das ist ein bisschen wie Häkeln. Ich streiche immer wieder sehr viel beim Schreiben. Und am Ende noch mal. Streichen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Das hat vielleicht mit meiner Vergangenheit als Schriftsetzer zu tun. Ich war ja mal Handsetzer, ich habe mir hinterm Setzkasten die Beine in den Bauch gestanden und, weil das eine Scheißarbeit war, gegen Redundanzen, Wiederholungen, Weitschweifigkeit einen physischen Widerwillen entwickelt. Da kann ich nichts dafür. Sobald es allzu episch wird, verliere ich die Geduld. Es gibt, meine ich, so viel gute Literatur, dass jeder Schriftsteller versuchen sollte, das, was er zu sagen hat, so konzentriert wie möglich zu sagen. Weil der Leser ja nicht alle Zeit der Welt hat. Der will ja auch noch was anderes lesen als etwa Lange-Müller. Daher meine Skepsis gegen 800-Seiten-Romane, die das nicht rechtfertigen … Ich meine, bei „Moby Dick“ möchte ich keine einzige Zeile missen, aber sonst … Das verstimmt mich, Bücher, die mit Absicht, also einfach aus Eitelkeit dick sind, weil jemand den Leser nur mit sich beschäftigen will, sich von seinen Geschöpfen nicht trennen kann, die Suada nicht unter Kontrolle hat. Das regt mich alles furchtbar auf.
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| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Lotree am 3. September 2007 um 18:32 veröffentlicht und unter Schreiben & Lesen abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |


