“Ich hing mit Henri in der Küche und schälte seelenruhig ein paar Sachen, dabei hörte ich ihm mit halbem Ohr zu. Die Überlegenheit der Poesie gegenüber allem anderen, das hatte er mir nun schon mindestens zweihundertmal vorgeführt. Das Schlimmste war, er hatte  ja recht, aber ich hatte mich stets geweigert es zuzugeben. Ich konnte Romane schreiben und kistenweise Erzählungen, aber ich war unfähig, auch nur ein einziges halbwegs brauchbares Gedicht hinzulegen, auf dem Gebiet fühlte ich mich nicht in meinem Element. Ich war voller Bewunderung für diese Typen, die es verstanden, einen in Nullkommanichts runterzuputzen, einem mit wenigen Sätzen den Atem zu verschlagen. Zu dumm, daß sie samt und sonders `ne Schraube locker hatten. Ich hätte zu gern gewußt, macht einen nun die Poesie verrückt oder verhält sich die Sache eher umgekehrt? Naja, soweit ich sehen konnte, war ein Romancier wenigstens noch in der Lage, ein Abendessen zuzubereiten, ein Dichter hingegen taugte höchstens dazu, die Füße unter dem Tisch auszustrecken.” (aus: Philippe Dijan: Verraten und verkauft. Roman. Diogenes Verlag, Zürich 1988)
 Verraten und verkauft.

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